Metamorphosen

„Von Gestalten zu künden, die in neue Körper verwandelt wurden, treibt mich der Geist.“
aus „Metamorphosen“ von Ovid 

So beginnt Ovid seine berühmten Metamorphosen, die seit der Antike bis heute mit ihren Sagen über den Gestaltwandel von Mensch, Tier und Natur, Kunstschaffende inspiriert.
Anhand der Werke von Christa FilserHirofumi Fujiwara und Teresa Riba wird versucht, die Deutungsmöglichkeiten von Verwandlungen des menschlichen Wesens zu beleuchten.
Seit jeher ist das menschliche Abbild ein wichtiger Bestandteil der künstlerischen Auseinandersetzung. Sie konfrontieren uns eindringlich mit unserer aber auch mit der Existenz des und der Anderen, sowohl im körperlichen wie auch im geistigen Sinne. 

Christa Filser transformiert ihre Figuren aus der neuen Werkreihe der Hinterglasmalereien in einen Bildraum, den sie mit Symbolen und Sinnbildern ausstattet, um auf aktuelle gesellschaftliche, politische oder kulturelle Themen hinzuweisen. Als Inspiration dienten ihr volkstümliche Gnaden-und Ikonenbilder, mit der die Künstlerin in ihrem katholisch geprägten Umfeld aufgewachsen ist. Mit ihren Neuinterpretationen hinterfragt sie bestehende Glaubensinhalte und bietet alternative Perspektiven an, um spirituellen Schutz, Trost oder Hilfe zu suchen. Ihre collagierten und gemalten Porträts auf Papier bilden eine Fortschreibung. Deren entrückte Physiognomie erscheint dabei als jene Membran, die den Austausch zwischen einem wie auch immer gedachten „Innen“ und dem „Außen“ ermöglicht.

Auch die naturalistischen, anthropomorphen Skulpturen von Hirofumi Fujiwara evozieren die Frage nach der Reaktion unserer Perzeption auf das menschliche Abbild. Für den Künstler ist dabei nicht die detailgetreue Widergabe wichtig, sondern die Transformation von Gesehenen, Erinnerungen und Fantasien mittels seiner Bildhauerei. Dies manifestiert sich in seinen hybrid anmutenden Figuren, denen er einen ätherisch, androgynen und immanenten Ausdruck verleiht. Dadurch entziehen sie sich jeglicher Stereotype und bieten dem Betrachter eine Projektionsfläche zur eigenen Kontemplation.

Die spanische Bildhauerin Teresa Riba erschafft Bronzeskulpturen mit einer außergewöhnlichen Ausdrucksfähigkeit. Sie werden Sinnbild ihrer Welt und Gedanken, mit denen sie die Zeit festhalten und Perspektiven öffnen möchte. 
Für die Künstlerin ist der Blick auf das Meer wie der Blick auf die Unendlichkeit und alles, was die Zukunft bereithält. Jede ihrer Figuren aus der Werkreihe „Mirant el mar“ („Schau dir das Meer an“) strahlt für sie daher einen eigenen Charakter, Vision und Vertrauen in die Menschheit aus. In „Aigua“ („Wasser“) verweist Teresa Riba auf die Bedeutung von Wasser für das Leben und stattet ihre Figuren mit einem Wassertank aus, der vielleicht in Zukunft wie ein gängiges Accessoire getragen wird. Trotz der Schwere des Materials der Bronze verleiht die Künstlerin ihren Skulpturen eine Leichtigkeit, Lebendigkeit und Ausdrucksstärke. 

Lillian Berger – Kunsthistorikerin und Kuratorin 

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